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VOICE – Starke Stimme gegen sexualisierte Gewalt im Sport

 Copyright: Pixabay, TaniaVdB Athletinnen und Athleten im Leistungssport müssen sich sowohl körperlich als auch mental stark auf ihr Team und ihre Trainerinnen und Trainer verlassen. Wird dieses Vertrauens- und Autoritätsverhältnis missbraucht, fällt es vielen Opfern schwer darüber zu sprechen. Wissenschaft und Sportorganisationen haben das Problem von sexualisierter Gewalt im Sport zu lange ignoriert. Mit dem EU-Projekt VOICE sollen die Berichte von Betroffenen gehört und aufgearbeitet werden. Am 20. September 2017 wurde das Projekt präsentiert. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien unterstützt als Partner.

Ziel des Projektes ist es, den Betroffenen eine Stimme zu geben und Empfehlungen sowie Informationsmaterialien zu entwickeln, die europaweit zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Sport genutzt werden können. Dafür werden in allen acht beteiligten europäischen Ländern Interviewstudien mit Personen durchgeführt, die sexualisierte Gewalt im Kontext des Sports erlebt haben. Im Anschluss werden organisierte Dialogforen der Betroffenen durchgeführt. Dazu arbeiten Universitätspartner, nationale Sportverbände und unabhängige Opferschutzorganisationen in jedem beteiligten europäischen Land zusammen. In Österreich wird das Projekt vom Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Universität Wien betreut.

Ein Drittel im Leistungssport von sexualisierter Gewalt betroffen

Hintergrund von VOICE ist die Studie SafeSport aus Deutschland von 2016, die zeigte, dass rund ein Drittel der Befragten schon einmal Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt im Rahmen ihrer sportlichen Karriere gemacht haben. Die Mehrheit der betroffenen Athletinnen und Athleten war bei der ersten Erfahrung sexualisierter Gewalt unter 18 Jahre alt. Jede und jeder neunte Befragte hat sogar schwere und/oder länger andauernde sexualisierte Gewalt erlebt. In Österreich könnte das Ergebnis ähnlich sein.

Bei der Präsentation des Projektes VOICE waren neben Projektleiterin Rosa Diketmüller vom Zentrum für Sportwissenschaft, Rudolf Hundstorfer, Präsident der Österreichischen Bundessportorganisation, Gottfried Rath, Sportdirektor des Österreichischen Volleyballverbands, Christa Prest, Präsidentin von 100% Sport und die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits zum Gespräch geladen.

Strengere Kontrollen von Betreuungspersonal

Österreich hinke in der Prävention noch hinterher, erklärte Diketmüller. Forderungen der Gesprächsrunde waren vor allem die Implementierung eines Ehrenkodex sowie die Installierung von verpflichtenden Vertrauenspersonen in Sportvereinen und -organisationen und Fort- und Weiterbildung von pädagogischem Personal sowie Ehrenamtlichen. Pinterits forderte einen verpflichtenden Strafregister-Auszug von Betreuungspersonen, die mit dem sportlichen Nachwuchs in Vereinen und Organisationen arbeiten. Dass damit Trainer und Ehrenamtliche unter Generalverdacht gestellt werden, ließ die Kinder- und Jugendanwältin nicht gelten: „Überall, wo Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, muss das normal sein.“ Sportdirektor Gottfried Rath berichtete, dass bisherige Maßnahmen aufgrund der letzten Verdachtsfälle gegen einen Trainer verschärft wurden. Er sehe strengere Maßnahmen auch als Selbstschutz für die unzähligen integren Betreuerinnen und Betreuer.