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Kinder in radikalen religiösen Gruppen: Bericht einer Aussteigerin – Aufruf zum Hinschauen!

Kinderrechte bedeuten, dass jedes Kind ein Recht hat, vor Handlungsweisen geschützt zu werden, die ihm und seiner psychischen und körperlichen Gesundheit und Entwicklung schaden.

Manche der Kinder, die körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind, wehren sich. Manche suchen Unterstützung. Sehr viele leiden aber still. Und manche sind so in Gefühlen von Angst, Scham und Schuld gefangen, dass sie selbst dann, wenn jemand versucht, ihnen zu helfen, dieses Hilfsangebot als Bedrohung erleben. Weil sie völlig verlernt haben, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen. Das ist etwas, das Kindern geschieht, die in radikalen religiösen Gruppen aufwachsen.

Bericht einer Aussteigerin über ihre Kindheit und Jugend

Eine junge Frau, die als Kind und Jugendliche so etwas erlebt hat, hat sich an die Kinder- und Jugendanwaltschaft gewendet und einen umfassenden Bericht über ihre Zeit in einer radikalen evangelikalen Gruppe geschrieben. Um Menschen verständlich zu machen, was mit Kindern und Jugendlichen in solchen Gruppen passiert. Um Kindern und Jugendlichen in solchen Gruppen zu helfen. Um Erwachsenen zu verdeutlichen, dass Gewalt gegen Kinder oft gut verdeckt ist. Auch um Erwachsenen in solchen Gruppen zu zeigen, was sie ihren Kindern antun und dass sie damit gegen die österreichische Verfassung verstoßen, in der die Kinderrechte verankert sind. Um Menschen zu sagen: Informiert euch, schaut hin und handelt!

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien bedankt sich bei der jungen Frau, die gerne anonym bleiben möchte, herzlich für ihr Engagement im Sinne der Kinderrechte und das Zur-Verfügung-Stellen des detaillierten und eindrucksvollen Berichts!

Gefährdung durch Erziehungsverständnis und zusätzliche Gefahr in der Coronakrise

Es gibt in Wien viele verschiedene evangelikale Gruppen, die sich auch in ihrem Erziehungsverständnis unterscheiden. Die Gruppen mit einem dogmatischen Erziehungsverständnis gehen von einem „rebellischen“, „abweichenden“ oder „gefährdeten“ Kind aus, das je nachdem unterworfen, angepasst oder zum „wahren Glauben“ geführt werden muss. So wird psychische und in sehr vielen Fällen auch körperliche Gewalt legitimiert. Und schließlich gibt es auch etliche Bibelstellen, die körperliche Gewalt und das „Züchtigen“ von Kindern gutheißen.

Da solche radikalen Gruppen die Bibel Wort für Wort als Wahrheit und unfehlbar betrachten, steigt in Krisenzeiten die Gefährdung der Kinder und Jugendlichen noch an. Denn Seuchen werden als Anzeichen für das nahende Armageddon betrachtet. Die Ängste dieser Kinder und der Druck auf sie können enorm werden. Deshalb ist es jetzt noch wichtiger als sonst, genau hinzuschauen und zu helfen.

Was tun?

Haben Sie das Gefühl, dass Kindern und Jugendlichen in ihrem Umfeld so etwas zustößt? Anzeichen könnten etwa sein, dass sie sich von der Außenwelt abschotten, dass sie Bücher als verboten betrachten, in denen es um Magie geht, dass sie, obwohl schon länger und schwerwiegend krank, nicht medizinisch versorgt werden, dass sie möglicherweise versuchen, andere zu missionieren.

In diesem Fall wenden Sie sich an die Kinder- und Jugendanwaltschaft oder die Bundesstelle für Sektenfragen.

Denn Kinderrechte stehen über der Religionsfreiheit. Und das Arbeiten mit Angst und Schuld ist kein zulässiges Erziehungsmittel und schadet Kindern.