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Zurück vom Dschihad – Handbuch zum Umgang mit rückkehrenden IS-Kämpfern

Copyright: KJAEuropäische Gesellschaften sehen sich im Kampf gegen islamistischen Extremismus zunehmend vor eine neue Herausforderung gestellt: die Problematik der Rückkehrerinnen und Rückkehrer. So werden Personen bezeichnet, die sich als ausländische Kämpfer oder Unterstützerinnen und Unterstützer dem sogenannten Islamischen Staat (IS) in Syrien und dem Irak angeschlossen haben und die aus unterschiedlicher Motivation wieder zurück in ihre Herkunftsländer gehen. Ein im August 2017 erschienenes Handbuch „Reaktionen auf zurückkehrende ausländische Kämpfer und ihre Familien“ des Radicalisation Awareness Networks (RAN) der EU beschäftigt sich umfassend und detailliert mit dem Thema und gibt Empfehlungen für Praktikerinnen und Praktiker.

Bereits im Sommer 2016 machte das Wiener Netzwerk Deradikalisierung und Prävention in einem Workshop mit hochrangigen Fachleuten auf die Problematik der Rückkehrenden aufmerksam (siehe Jahresbericht 2016, S. 63-65). Immer wieder wies das Netzwerk auf die Notwendigkeit einer besseren Vernetzung der involvierten Berufsgruppen und Organisationen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie die Dringlichkeit der Schaffung von Strukturen zur Deradikalisierung und Reintegration dieser Personen hin.

Das RAN Handbuch ist das Ergebnis der Sammlung von Konzepten, Tipps und Fallstudien sowie sonstiger Informationen des großen, EU-weiten RAN Netzwerks, in dem auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien sowie unterschiedliche Mitglieder und Partner des Wiener Netzwerks Deradikalisierung und Prävention vertreten sind. Es vereint viele wichtige Maßnahmen, Informationen und Problemstellungen in einem Dokument.

Maßgeschneiderte Lösungsansätze

Das Handbuch liefert generelle Fakten zu den zurückkehrenden ausländischen Kämpfern sowie genaue Profile der unterschiedlichen Gruppen von Rückkehrenden, da sowohl aktive Kämpfer, die schwere Straftaten begangen haben, zurückkommen können, als auch traumatisierte Personen, vor allem Kinder und Jugendliche. Für unterschiedliche Gruppen von Rückkehrenden werden spezifische Herausforderungen und „maßgeschneiderte“ Ansätze beschrieben. Ein eigenes Kapitel widmet sich Kindern, die teilweise im Gebiet des IS geboren wurden und mit ihren Eltern nach Europa gekommen sind. In Österreich, wo die gesetzliche Auslegung sehr streng im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist, wird das Handbuch auch für die Arbeit mit Personen hilfreich sein, die zwar an der Ausreise gehindert wurden, aber dennoch inhaftiert und nach Ende ihrer Gefängnisstrafe in die Gesellschaft reintegriert werden müssen.

Die Empfehlungen richten sich insbesondere an jene Praktikerinnen und Praktiker, die in den Feldern Soziale Arbeit, Gesundheitswesen, Ausbildung, Polizei- und Justizwesen tätig sind. Der Sicherheitsaspekt wird bei den einzelnen Maßnahmen berücksichtigt. Das Handbuch enthält zudem eine Liste mit Empfehlungen für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger der EU-Mitgliedsstaaten.

Weiters werden verschiedene übergreifende Themen angesprochen. Das Handbuch weist unter anderem darauf hin, dass Frauen nicht nur Opfer von Terrorismus, sondern auch Täterinnen sein können und ebenso ideologisiert wie Männer.

Konkrete Beispiele für den Umgang mit dieser Thematik in europäischen Mitgliedsstaaten sowie Fallstudien, sollen ebenfalls eine Hilfestellung für Personen sein, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Das Handbuch steht neben Französisch und Englisch, auch auf Deutsch zum Download bereit.