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Abschiebungen junger Menschen – Wir verlieren alle

Die 18-Jährige Rose und die 15-Jährige Ranya lebten seit drei Jahren bestens integriert mit ihren Eltern und den jüngeren Geschwistern in Österreich. Sie verbrachten hier prägende Jahre ihrer Entwicklung und sprechen perfekt Deutsch. Rose absolvierte bereits ein Jahr der Ausbildung zur Krankenpflegerin, Ranya hatte in einem der Top-Hotels in Salzburg eine Lehrstelle in Aussicht – sie ging als beste Bewerberin im Auswahlverfahren hervor. Doch weder wird Ranya noch Rose werden ihre Ausbildungen abschließen können. Die Mädchen wurden am 8. August 2018 in den Irak abgeschoben. Die Kinder und Jugendanwaltschaft Salzburg hat die Mädchen lange begleitet.

„Rose und Ranya wollten gleichberechtigt leben, eine Ausbildung machen, ihr eigenes Geld verdienen, ihren Beruf frei wählen, sich kleiden und ausgehen wie ihr gleichaltriger Freundeskreis, mit dem Fahrrad fahren und schwimmen gehen, die Meinung frei sagen dürfen“, berichtet die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt in ihrer Presseaussendung. Die jungen Frauen hätten als Role Models und Kulturvermittlerinnen auch Österreich beste Dienste erweisen können. Im Irak hingegen wird weder Ranya eine Lehre in der Hotellerie machen können noch Rose Krankenpflegerin werden, denn beide Berufe sind dort für Frauen ungeeignet. Gleichzeitig besteht in Österreich eklatanter Fachkräftemangel, sowohl in der Pflege als auch im Tourismus.

Alle Bemühungen und juristischen Eingaben haben nichts genützt. Die Familie ist verzweifelt. Besonders die Kleineren verstehen nicht, warum sie gehen müssen – und wenn wir uns ehrlich sind, wir Erwachsenen tun es auch nicht. Die Lage im Irak ist instabil und gefährlich, die Familie hat seit Wochen aufgrund einer Internetsperre im Irak keinen Kontakt zu Bekannten. Es ist unklar ob die Kinder dort zur Schule gehen können, eine Bleibe haben sie noch nicht.

Und so haben alle verloren, schreibt Holz-Dahrenstaedt:

  • „Rose und Ranya haben dadurch ihr Recht auf ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben als Frauen in Sicherheit und Frieden, ihren Glauben an Gerechtigkeit, ihre Hoffnung auf eine positive Zukunftsperspektive, ihr Recht auf Ausbildung, begraben und verloren.
  • Der ganze Ort, das gesamte soziale Umfeld, stand hinter der Familie und kämpfte für ihren Verbleib in Österreich. Ihre zahlreichen österreichischen Freunde und Freundinnen haben ihre besten Freunde verloren.
  • Und Österreich, hat „fehlinvestiert“, einen statthaften Betrag für eine Familie ausgegeben, die sich mehr oder weniger von Beginn an selbst erhalten hätte können, unsere Gesellschaft hat damit zukünftige Systemerhalterinnen und wertvolle Mitmenschen verloren.“

Geflüchtete Kinder und Jugendliche haben das Recht auf besonderen Schutz und Beistand durch den Staat. Dennoch ist Österreich an einem Punkt, wo dieses unbedingte Recht nichts zählt und selbst der Verweis auf die gelungene Integration nicht retten kann.

Österreich hat sich durch Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention vor knapp 30 Jahren verpflichtet, das Kindeswohl zu schützen. Es ist Aufgabe eines Rechtsstaats, durch gerechte und sinnvolle Gesetze einen Rahmen zu schaffen, der den arbeitsmarktpolitischen, volkswirtschaftlichen und kinderrechtlichen-humanitären Grundsätzen entspricht, mahnt die Kinder- und Jugendanwältin in ihrem Schreiben. „In Fällen wie Rose und Ranya gibt es nur Verlierer“.

Rückfragen

Dr. Andrea Holz-Dahrenstaedt
Salzburger Kinder- und Jugendanwältin

Tel.: +43664-8284242